Lehrerausbildung – was wirklich zählt?!

Lehrersein ist Vieles: attraktiv, gut bezahlt, mit viel Freizeit ausgestattet und einfach nur wahnsinnig toll. Komisch nur, dass nicht alle Lehrer werden wollen und manche sogar wild den Kopf schütteln und sich hinreissen lassen zu Äusserungen wie «Ich? Niemals!» Woran das wohl liegen mag? Vielleicht an der Realität? Welche Belastungen bringt der Lehrerberuf mit sich und wie werden angehende Lehrpersonen auf die ihnen begegnenden Anforderungen vorbereitet? Was zählt wirklich in der Lehrerausbildung?

Warum möchte ich eigentlich Lehrer werden? Klar: 13 Wochen Urlaub im Jahr sind schon sehr attraktiv. Dann noch die überdurchschnittlich gute Bezahlung, der Umstand, dass man bei einem vollen Pensum nur so 25 bis 30 Stunden – also Lektionen à 45 Minuten – arbeiten muss, die Tatsache, dass man immer Recht hat und dass man sich die Arbeit einteilen kann, so wie man will. Da ist doch jeder mittelschwer verrückt, der nicht auch Lehrer werden will – oder?

Die Realität sieht ein wenig anders aus, denn tatsächlich: es möchte nicht jeder Lehrer werden. Woran das wohl liegen mag? Vielleicht daran, dass die oben auf- und gerne in der Öffentlichkeit ausgeführten Argumente so in sich gar nicht schlüssig sind, nicht dem Berufsalltag entsprechen und somit schlichtweg falsch!

Aber wohl, wir kennen Sie doch, die Lehrerinnen und Lehrer, die mit sehr, sehr ruhiger Kugel in ihrem Berufsalltag unterwegs sind. Oder etwa nicht?!

Von weissen und weniger weissen Schafen
Doch. Aber wie in jedem anderen Beruf auch, gibt es immer mehr oder weniger hell eingefärbte Schafe. Deren Farbe unreflektiert auf alle anderen Lehrpersonen zu übertragen, ist schlichtweg unfair. Es gibt sie nämlich auch – und sogar in absoluter Überzahl, die Lehrpersonen, die mit allergrösstem Engagement, mit viel Zeit und einem hohen Mass an Reflexion in ihrem Beruf unterwegs sind, und sich über alle Massen anstrengen, den Anforderungen des Lehrerberufes gerecht zu werden. Aber eben: Unkenrufer gibt es nicht wenige, nicht zuletzt deswegen, weil alle sich mit und in Schule auskennen, weil wir ja alle auch mal mit und in Schule unterwegs waren. Deswegen sind alle auch Fachleute in Bezug auf Schule. Basta!

Burnout – Lehrpersonen sind in grosser Gefahr
Kaum verwunderlich ist es dann, dass bei all diesem Expertentum Lehrpersonen neben Pflegekräften, Polizeibeamten oder auch Sozialarbeitern zu der Berufsgruppe gehören, die überdurchschnittlich häufig in ein berufliches Burnout geraten. Das kann aber ganz bestimmt nicht daran liegt, dass sich Lehrpersonen mit ihrem Beruf zwischen allen Anspruchsgruppen (Schülerinnen und Schüler, Schulleitungen, anderen Lehrpersonen, Schulbehörden, Politik, Arbeitgebern, …) in sozialen Extremsituationen bewegen. Nein, nein!

Und warum sind dann doch einige Menschen so verrückt und wollen Lehrer werden? Vielleicht weil es sie fasziniert, anderen zu helfen sich zu entwickeln. Vielleicht weil es ihnen gefällt, Schülerinnen und Schüler zu begleiten, ihre Persönlichkeit zu entfalten, kritischer und auch selbstkritischer zu werden und Wissen zu generieren, mit dem sie nach ihren individuellen Möglichkeiten selbstwirksam werden können – und zwar zum Wohle aller.

An dieser Stelle kann nur erahnt werden, mit welcher Verantwortung Lehrpersonen in ihrem Beruf unterwegs sind. Welch ein Glück, dass sich da überhaupt noch jemand findet, der diesen Beruf ergreifen will.

Vorbereitung aufs Lehrerdasein
Kaum wurde die Eignung zum Lehrer selbst- oder fremderhoben geprüft, kann es schon losgehen mit der fachwissenschaftlichen Ausbildung an einer Universität oder einer pädagogischen Hochschule. Auf dem Stundenplan stehen dann das Fachstudium der später zu erteilenden Fächer, die dazugehörige fachdidaktische Ausbildung und auch die erziehungswissenschaftliche Ausbildung. Theoretische Facheinheiten, die im Hörsaal- oder Seminarkonzept vermittelt werden, werden mit praktischen Einheiten kombiniert, die als schulische Praktika absolviert werden.

So werden die Studierenden also mit Theoriewissen ausgestattet, welches sie angeleitet während ihrer Praktika anwenden können. Aber reicht das zur Vorbereitung auf den Alltag im Lehrerberuf? Eindeutig: Nein! Schülerinnen und Schüler, Eltern, Kolleginnen und Kollegen, die Schulleitung, Behörden, externe Einrichtungen und Dienste sind nur einige Anspruchs- und Kontaktgruppen, mit denen Junglehrpersonen es in ihrem Alltag zu tun haben. Wenn da unterrichtliche Prozesse noch wacklig, Vorgehensweisen noch wenig ausdifferenziert und methodische, didaktische oder pädagogische Entscheidungen noch vage sind, dann besteht die Gefahr von der Komplexität des Systems verschlungen zu werden, noch bevor man überhaupt in diesem spannenden Beruf angefangen hat. Nicht ohne Grund beenden Junglehrpersonen ihre Berufskarriere bereits wieder nach wenigen Jahren.
Was wäre also dagegen zu tun? Wie kann man für Junglehrpersonen den Praxisschock – wenn auch nicht ganz verhindern – aber zumindest mildern? Das geht wohl nur durch intensives Üben entsprechender Situationen, allerdings nicht erst nach, sondern während des Studius. Simulationen sind hier ein geeignetes Instrument, um die eigene pädagogische Haltung zu entwickeln und mit Vorgehensweisen und Prozessen so zu kombinieren, dass aus dem so generierten Erfahrungsschatz heraus Entscheidungen getroffen werden können, die keiner intensiven Reflexion mehr bedürfen, weil sie quasi in Fleisch und Blut übergegangen sind, aus dem Bauch herauskommen und aus einer Kombination von Erfahrungswerten entstehen. Bei einer solchen Vorgehensweise handelt es sich um ein Tun, das der Improvisation eines Pianisten entspricht, der konzentriert und intuitiv, wie aus dem Nichts, seine lange eingeübten Techniken virtuos kombiniert und scheinbar mühelos sein Instrument zu Höchstleistungen antreibt. Ein solches Vorgehen braucht Erfahrung und Mut auch einmal unkonventionelle Wege zu gehen. Das ist aber nur möglich, wenn man seine eigene Haltung entwickelt hat und sich auf seine pädagogische Fachkompetenz verlassen kann. Beides ist nicht am grünen Tisch zu erlangen. Beides benötigt Übung, Übung und nochmals Übung.

Studium und Praktika um institutionalisierte Simulationen erweitern
Für Studierende, die sich dem Lehrerberuf zuwenden, würde das bedeuten, sich immer wieder in berufliche Simulationen zu begeben, ihr jeweiliges Handeln darzulegen und zu reflektieren und daraus ein individuelles Repertoire zu entwickeln, dass ihnen besonders in ihrem Berufsanfang aber auch durch ständige Erweiterung während ihres gesamten Berufslebens stützend zur Seite steht.

 

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